Die Nacht hatte die Stadt verschluckt und spuckte sie in Fetzen aus Neon und Regen wieder aus. Für die meisten war dies das Ende des Tages. Für Jara war es der Anfang ihrer Schicht. Sie war die Königin der Straßen, und dies war ihr Königreich.
Ihr Thron war der abgenutzte Ledersitz ihres Wagens, eines mattschwarzen Klassikers, dessen Motor leise schnurrte wie ein Raubtier im Hinterhalt. Die Stadt pulsierte um sie herum, ein Organismus aus Asphaltadern und Neonblut. Jara kannte jede dieser Adern, jeden geheimen Bypass, jeden Riss im Beton.
An diesem Abend war die Luft schwerer als sonst. Ein Anruf, eine verschlüsselte Nachricht, ein Treffpunkt. Es ging um ein Paket, klein genug, um in ihre Jackentasche zu passen, aber schwer genug, um das Machtgefüge der Unterwelt zu verschieben. Ein Datenchip, versiegelt und anonym. Ihr Job: ihn von Distrikt 4 nach Distrikt 9 zu bringen. Quer durch das Territorium von „Rico“, einem Emporkömmling, der glaubte, Lärm mit Macht verwechseln zu können.
Jara startete den Motor. Das Schnurren wurde zu einem tiefen Grollen, ein Versprechen von Geschwindigkeit und Gewalt. Sie glitt in den Verkehr, wurde eins mit dem Strom aus Lichtern und Metall. Ihre Augen, wachsam und ruhig, scannten die Spiegel. Sie wusste, dass sie nicht allein war.
Ein paar Blocks später tauchten sie auf. Zwei aufgemotzte Limousinen, die wie Haie durch das Lichtermeer schossen und sich hinter sie setzten. Ricos Jungs. Vorhersehbar.
Jara lächelte nicht. Ihre Hände lagen locker auf dem Lenkrad. Sie beschleunigte nicht, bremste nicht. Sie fuhr einfach weiter, als wären die Verfolger nur ein weiterer Teil der nächtlichen Kulisse. Sie lockte sie tiefer in ihr Netz.
An der Kreuzung zur alten Industriemeile bog sie scharf ab, die Reifen quietschten leise auf dem nassen Asphalt. Dies war ihr Terrain. Ein Labyrinth aus verlassenen Lagerhäusern und engen Gassen, die auf keiner offiziellen Karte verzeichnet waren. Die Scheinwerfer der Verfolger tanzten nervös an ihrer Heckscheibe.
Sie riss das Steuer herum, eine perfekte 180-Grad-Wende in einer Gasse, die kaum breiter war als ihr Auto. Für einen Moment starrten sie sich an – Jaras kalte Entschlossenheit gegen die überraschten Gesichter in den anderen Wagen. Dann gab sie Gas. Sie fuhr direkt auf sie zu.
Panik ist ein schlechter Berater. Der erste Wagen versuchte auszuweichen und schrammte krachend an einer alten Backsteinmauer entlang. Der zweite zögerte einen Bruchteil einer Sekunde zu lange. Jara schaltete im letzten Moment das Licht aus, tauchte in die Dunkelheit ab und schlüpfte durch eine Lücke zwischen einem Müllcontainer und einem Baugerüst, die nur sie kennen konnte. Hinter ihr hörte sie das Geräusch von splitterndem Glas und verbeultem Metall.
Minuten später erreichte sie ihr Ziel: eine unscheinbare Tiefgarage unter einem schlafenden Wohnblock. Ein Mann trat aus den Schatten. Kein Wort wurde gewechselt. Jara übergab den Chip. Eine kleine, schwere Münze wurde im Gegenzug in ihre Hand gedrückt. Das war die Regel. Anonym, effizient, sauber.
Als sie wieder auf die Hauptstraße fuhr, war die Nacht ruhiger geworden. Der Regen hatte nachgelassen und die Lichter der Stadt spiegelten sich klarer auf der Straße. Sie war wieder allein, eine stille Jägerin in ihrem Revier. Die Münze in ihrer Tasche war kalt, ein Beweis für eine weitere Nacht, in der sie bewiesen hatte, warum diese Straßen ihr gehörten. Sie war keine gewöhnliche Fahrerin. Sie war Jara. Und die Nacht gehorchte ihr.
Leo war neun, als die ersten Papierkugeln flogen. Sie trafen seinen Nacken während des Mathematikunterrichts, sanft und doch so verletzend. Seine Eltern, Anna und Thomas, sahen die zunehmende Stille ihres sonst so lebhaften Sohnes. Sie sahen die zerknitterten Brotdosen, die unerklärlichen Kratzer am Schulranzen.
In der Parallelklasse saß Ben, der Initiator. Bens Eltern, erfolgreich und stets in Eile, sahen nur die guten Noten ihres Sohnes. "Ben ist ein Anführer", sagten sie stolz auf Elternabenden. Sie sahen nicht die gehässigen Kommentare, die er im Schulhof verteilte wie Süßigkeiten. Sie lehrten ihn Kalkül, nicht Mitgefühl; Erfolg, nicht Empathie.
Eines Nachmittags brach Leo zusammen. "Warum ich?", schluchzte er in die Schulter seiner Mutter. Anna hielt ihn fest, ihr Herz ein einziger Bruch. Sie handelten: Gespräche mit der Lehrerin, die hilflos die Hände hob. Ein Treffen mit Bens Eltern, die abwehrend reagierten. "Kinderstreiche", meinte der Vater mit einem Achselzucken. "Leo soll sich nicht so anstellen."
Die Tragödie war nicht die Bosheit eines Kindes, sondern das Wegsehen der Erwachsenen, die ihre Pflicht zur Erziehung vergaßen. Leo lernte, den Schmerz zu verstecken. Ben lernte, dass Handlungen keine Konsequenzen haben. Zwei Jungen, geformt durch das, was gelehrt wurde – und das, was sträflich unterlassen blieb.
Die Geschichte endet nicht mit einer Lösung, sondern mit einer Frage, die in der Stille des Flurs hängt: Was wächst aus einer Kindheit, in der man nicht lernt, Mensch zu sein?
Lyrics
Wieder Pause
Gleicher Platz
Gleicher Blick
Ihre Witze
Tun so viel mehr als ein Tritt
Sie sagen
Ich wär
"komisch" seit dem ersten Tag
Doch ich frag mich
Wer hier wen im Regen stehen lässt
Ich hab zu oft geschwiegen
So getan
Als wär es nichts
Doch in mir drin schreit alles:
"Siehst du mich denn nicht?"
Warum nehmt ihr mich nicht so wie ich bin
Ich bin doch nur ein Kind der Natur
Hab ein Herz
Hab Gefühle in mir drin
Bin genauso wirklich wie ihr nur
Keiner kann was
Wenn man so geboren wird
Ich bin richtig
So wie ich bin
Wir haben ein Herz und auch Gefühle
Und ich schwör
Das macht uns win-win (oh-woah)
Deine Sprüche
Klingen stark vor deinem Schwarm
Doch ich seh
Wie
Deine Hände heimlich arm
Vielleicht hast du
Mehr Angst als ich in dir
Doch ich trag sie
Nicht mehr länger nur in mir
Ich hab zu oft geschwiegen
Doch heut halt ich das nicht aus
Denn jedes deiner Worte
Prallt jetzt an mir ab und raus
Warum nehmt ihr mich nicht so wie ich bin
Ich bin doch nur ein Kind der Natur
Hab ein Herz
Hab Gefühle in mir drin
Bin genauso wirklich wie ihr nur
Keiner kann was
Wenn man so geboren wird
Ich bin richtig
So wie ich bin
Wir haben ein Herz und auch Gefühle
Und ich schwör
Dass ich mich nie verlier (oh-yeah)
Vielleicht kommt ein Tag
Da siehst du mich klar
Und merkst
Was du
Mir alles nahmst
Jahr für Jahr
Doch bis es so weit ist
Halt ich mich fest an mir
Ich bin Kind der Natur
Und ich bleib hier
Warum nehmt ihr mich nicht so wie ich bin
Ich bin doch nur ein Kind der Natur
Hab ein Herz
Hab Gefühle in mir drin
Bin genauso wirklich wie ihr nur
Keiner kann was
Wenn man so geboren wird
Ich bin richtig
So wie ich bin
Wir haben ein Herz und auch Gefühle
Und genau das macht uns wunderschön
Lyrics written Kai-Dominik Bertha (ELAG ERFURT)
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