In jüngster Zeit hat Hannah Arendts Werk eine neue Aktualität erhalten. Ihr Buch "Über die Revolution" nimmt eine zentrale Bedeutung bei der politischen Debatte von Oppositionellen in den Ländern des Arabischen Frühlings ein; ihr Essay "Macht und Gewalt" hilft bei der Betrachtung der Unrechtsregimes unserer Tage und ihr "Bericht von der Banalität des Bösen", das vermutlich zu den meist zitierten Versuchen zählt, die Wurzeln und Abgründe des nationalsozialistischen Regimes in der Person von Adolf Eichmann zu erfassen, verweist auf unsere modernen Gesellschaften.
Der Film spielt auf zwei Ebenen. Er porträtiert Hannah Arendt, ihre "Vita activa", und zeichnet ihren exemplarischen Weg als deutsche Jüdin nach, die sich stets dem Ungehorsam verpflichtet fühlte. Geboren 1906 in Hannover, Studium bei den Philosophen Karl Jaspers und Martin Heidegger, mit dem sie eine Liebesbeziehung hatte, Flucht aus Nazi-Deutschland und Emigration in die USA, wo sie sich in der zionistischen Bewegung und der Erforschung und Deutung des Totalitarismus widmete. Hannah Arendt ging es vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Massenbewegung und dem totalitären Bewusstsein stets darum, den Menschen vor seiner Degradierung zum Konsumenten, "Automaten" und reinen Bürokraten zu bewahren. Denn diese sind willenlose Wesen, die "leer" sind und mit denen Ideologen alles machen können.
Hannah Arendts politisches Denken blieb stets der Aktualität verbunden. Und so schlägt der Film immer wieder Brücken zu gegenwärtigen Entwicklungen und Brennpunkten nach Ägypten, in die Ukraine, nach Israel, Hongkong und Kanada. In der Begegnung mit jungen Menschen wird Hannah Arendts Denken nachgespürt. Die Dokumentation holt Hannah Arendt ins Heute und thematisiert ihre Relevanz für politisches Handeln unserer Tage.
Die zweite Folge der Reihe "Die Deutschen im 20. Jahrhundert" schildert die Erosion ziviler und moralischer Werte während der Zeit des Nationalsozialismus. Warum erhob sich kaum Widerstand gegen Hitlers Gewaltherrschaft?
12. September 1980. Im türkischen Fernsehen verkündet ein General in Uniform: "Die türkische Armee hat im Morgengrauen die Macht übernommen, um den territorialen Zusammenhalt des Landes zu bewahren, die Gefahr eines Bürgerkrieges abzuwenden und die staatliche Autorität wieder herzustellen". Die Armee, die sich als die Wahrerin der Ideale von Staatsgründer Atatürk versteht, verhängt das Kriegsrecht in einer Situation der Wirtschaftskrise, der tiefen sozialen und politischen Konflikte. Leichen auf den Straßen nach gewaltsamen Zusammenstößen rechter und linker Extremisten, Streiks, Arbeitslosigkeit und hohe Inflation waren an der Tagesordnung. Fortan war die Türkei eine Militärdiktatur. Das Parlament wurde aufgelöst, Parteien verboten. Nach 1960 und 1971 war das schon der dritte Militärputsch in der jungen Geschichte der erst 1923 gegründeten türkischen Republik. Für den General an der Staatsspitze war 1982 Kleiderwechsel angesagt. Putschistengeneral Evren trat nun als ziviler Staatspräsident auf. Ein weiteres Jahr später wurde offiziell eine Zivilregierung eingesetzt, die allerdings in jeder Beziehung vom Militär kontrolliert wurde. Der General in Zivil blieb bis 1989 Staatsoberhaupt der Türkei. Als sich zu Beginn der 90er Jahre die politische Weltlage grundlegend änderte, als erstmals islamistische Kräfte in der nun miltipolaren Welt als Bedrohung wahrgenommen wurden, hatte die türkische Armee einen neuen Feind. 1997 zwang sie die religös orientierte Regierung Erbakan zum Rücktritt. Die danach mit moderaterem Programm auftretende Partei AKP gewann 2002 die Wahlen -- und die Militärs verloren an Einfluß. Mehr als 30 Jahre genossen die Putschisten Immunität. Bis 2010 dieser Teil der Verfassung geändert wurde.
Die Türkei hat die zweitgrößte Armee der NATO, eine Armee, die über eine machtvolle Position in dem Land verfügt. Die Regierung sucht, mittels ziviler Gerichtsbarkeit diese Position zu schwächen - etwa mit der Verhaftung des Generals Basbug. Für den Politikexperten Atilla Sandıklı vom Bilgesam Strategic Research Center ist die Festnahme auch Teil der Demokratisierung in der Türkei.
Die zweite Folge der Reihe "Die Deutschen im 20. Jahrhundert" schildert die Erosion ziviler und moralischer Werte während der Zeit des Nationalsozialismus. Warum erhob sich kaum Widerstand gegen Hitlers Gewaltherrschaft?